Für den aktu­el­len Heil- und Hilfs­mit­tel­re­port der BARMER GEK wur­de die Ver­sor­gung von chro­ni­schen Wun­den im Bereich des Unter­schen­kels in den Jah­ren 2009 bis 2012 genau­er unter­sucht. Das Ergeb­nis ist nie­der­schmet­ternd: Allein im Jahr 2012 lit­ten bun­des­weit rund 210.000 Men­schen an der­ar­ti­gen Geschwüren. 

Das ent­spricht in etwa 0,26% der Bevöl­ke­rung und ist damit deut­lich höher als bis­lang ange­nom­men. Die Zahl der Neu­erkran­kung steigt dabei pro Jahr um rund 50.000; ins­ge­samt gehen neue­re Schät­zun­gen davon aus, dass hier­zu­lan­de zwei Mil­lio­nen Men­schen an chro­ni­schen Wun­den lei­den, zu denen u.a. auch Druck­ge­schwü­re oder das Dia­be­ti­sche Fuß­syn­drom (DFS) zählen.

Dazu kommt noch: In Deutsch­land lei­den Pati­en­ten unnö­tig lan­ge an chro­ni­schen Wun­den. Anhand der Daten konn­te auf­ge­zeigt wer­den, dass es eine gra­vie­ren­de Unter­ver­sor­gung bei Men­schen gibt. So haben nur knapp 40% der Pati­en­ten, die an venös beding­ten Unter­schen­kel­ge­schwü­ren lit­ten, eine Kom­pres­si­ons­the­ra­pie erhal­ten. Eine Unter­las­sung, die sehr wohl als Behand­lungs­feh­ler gewer­tet wer­den kann.

Schnell stellt sich dann die Fra­ge, wer dann die sprich­wört­li­che „Zeche“ zu zah­len hat. Denn nicht sel­ten besteht in der Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on ein beson­de­res Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen den Betei­lig­ten: Ärz­te, (Wund-) Pfle­ge­kräf­te, Apo­the­ker, Home Carer, Kas­sen und nicht zu ver­ges­sen der Pati­ent – da gibt es genug Poten­zi­al für Feh­ler, Miss­ver­ständ­nis­se, büro­kra­ti­sche Hür­den, recht­li­che Impli­ka­tio­nen usw.

Neue Sichtweise notwendig

Manch­mal benö­tigt die Behand­lung von Chro­ni­schen Wun­den aber auch ein­fach nur eine neue Sicht­wei­se. Einen Per­spek­tiv­wech­sel bie­ten die Vor­trä­ge des dies­jäh­ri­gen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gres­ses (IWC), der am 27. Novem­ber 2014 in Köln statt­fin­den wird. Unter dem Titel „Wun­den ver­ste­hen – Wun­den hei­len“ wer­den dann neue Inno­va­tio­nen, Kon­zep­te und Lösun­gen im Moder­nen Wund­ma­nage­ment der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt und diskutiert.

Wie schon im Vor­jahr wird der Inter­dis­zi­pli­nä­re Wund­Con­gress 2014 neben dem eigent­lich Haupt­pro­gramm auch vier span­nen­de Satel­li­ten­sym­po­si­en prä­sen­tie­ren. Die­se set­zen sich unter ande­rem mit Fra­ge­stel­lun­gen und Pro­ble­men rund um Throm­bo­se­pro­phy­la­xe, Bio­film, pH-Wert und mul­t­is­re­sis­ten­ten Kei­men auseinander.

Besu­cher der Ver­an­stal­tung kön­nen Fort­bil­dungs- und Rezer­ti­fi­zie­rungs­punk­te der ICW, der DGfW, des Ver­ban­des Deut­scher Podo­lo­gen, der Regis­trie­rung beruf­li­cher Pfle­gen­den und des Wund­kom­pe­tenz­zen­trum Kam­mer­lan­der gel­tend machen. Dar­über hin­aus wur­de die Ver­ga­be von Fort­bil­dungs­punk­ten durch die Ärz­te­kam­mer Nord­rhein beantragt.

Mehr zum Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gres unter www.wundcongress.de.

In rund fünf Mona­ten ist es wie­der soweit: Dann wird der Inter­dis­zi­pli­nä­re Wund­Con­gress (IWC) zum inzwi­schen sechs­ten Mal in den Köl­ner Sar­to­ry-Sälen ein­zie­hen und sei­ne Tore für das Fach­pu­bli­kum aus Medi­zin, Pfle­ge, Gesund­heits­wirt­schaft und Gesund­heits­recht öffnen.

Die Ver­an­stal­tung, die die­ses Jahr unter dem Mot­to „Brenn­punkt Wun­de: Pati­en­ten­ge­sun­dung durch ganz­heit­li­che Wund­ver­sor­gung“ steht, ver­sam­melt wie­der nam­haf­te Refe­ren­tin­nen und Refe­ren­ten aus den ver­schie­dens­ten Pro­fes­sio­nen rund um das Gebiet der Wund­be­hand­lung. Geplant sind Bei­trä­ge von Prof. Dr. Mat­thi­as Augus­tin (UKE Ham­burg-Eppen­dorf), Tho­mas Bon­kow­ski (Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Regens­burg), Dr. Jan Helfrich (DAK-Gesund­heit), PD Dr. Jan Kott­ner (Cli­ni­cal Rese­arch Cen­ter for Hair and Skin Sci­ence, Cha­ri­té-Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ber­lin) sowie Ursu­la Laag (Deut­sches Insti­tut für ange­wand­te Pfle­ge­for­schung, Köln).

Neben der Haupt­ver­an­stal­tung dür­fen die Besu­che­rin­nen und Besu­cher des IWC auch wie­der auf die Inhal­te der vor­aus­sicht­lich vier Satel­li­ten­ver­an­stal­tun­gen gespannt sein, für die der­zeit die Pla­nungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­ar­beit läuft. Bereits abge­schlos­sen sind die Pla­nun­gen für das ers­te Satel­li­ten­sym­po­si­um „Update Throm­bo­se­pro­phy­la­xe“, für das sich die Fir­ma medi GmbH & Co.KG aus Bay­reuth ver­ant­wort­lich zeigt. Anmel­dun­gen für die­se Begleit­ver­an­stal­tung, die wie im Vor­jahr im benach­bar­ten Mer­cu­re-Hotel (Zugang über Oster­mann-Saal) statt­fin­den wird und frei von zusätz­li­chen Kos­ten ist, wer­den ab sofort ange­nom­men (Hin­weis: die Ver­an­stal­tung ist teilnehmerbegrenzt).

Frühbucherrabatt nur noch bis 30. Juni 2013

Noch bis ein­schließ­lich 30. Juni haben Inter­es­sen­ten die Mög­lich­keit, sich ihre Teil­nah­me zum ver­güns­tig­ten Früh­bu­cher­ta­rif zu sichern: Für ledig­lich 119,- Euro (inkl. MwSt) – und sogar nur 89,- Euro für Stu­den­ten, Abon­nen­ten der Fach­zeit­schrift Rechts­de­pe­sche für das Gesund­heits­we­sen – ist bis dahin die Anmel­dung mög­lich. Das vor­läu­fi­ge Pro­gramm, wei­te­re Infor­ma­tio­nen sowie Anmel­de­mög­lich­kei­ten fin­den Sie wie immer unter www.wundcongress.de.

Kla­re Aus­sa­gen zur zeit­ge­mä­ßen Wund­rei­ni­gung und Wund­be­hand­lung beim Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress 2012.

„Unge­fil­ter­tes Lei­tungs­was­ser darf nicht zum Spü­len von chro­ni­schen Wun­den ein­ge­setzt wer­den.“ Mit die­ser kla­ren Posi­ti­on hat der Wundex­per­te PD Dr. Andre­as Schwarz­kopf am 22. Novem­ber in Köln den Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress der PWG-Semi­na­re eröff­net. Er bezog sich dabei auf Vor­ga­ben der Kom­mis­si­on für Kran­ken­haus­hy­gie­ne und Infek­ti­ons­prä­ven­ti­on (KRINKO) am Robert Koch-Institut.

PD Dr. Andre­as Schwarz­kopf: „Unge­fil­ter­tes Lei­tungs­was­ser hat in Wun­den nichts verloren.“

Frü­he­re Stu­di­en, die den Ein­satz von Lei­tungs­was­ser emp­feh­len, sei­en über­wie­gend in den USA durch­ge­führt wor­den. Dort ist das Was­ser jedoch deut­lich stär­ker gechlort als in Deutsch­land. Aus die­sem Grun­de wird hier­zu­lan­de neben dem Ein­satz von Was­ser­fil­tern die Ver­wen­dung von ste­ri­len Lösun­gen zur Wund­spü­lung ange­ra­ten, beton­te Schwarzkopf.

Sein Vor­trag bil­de­te den Auf­takt zu einem hoch­ka­rä­tig besetz­ten Kon­gress­tag in den Köl­ner Sar­to­ry-Sälen, wo in die­sem Jahr mehr als 1.000 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer aus Pfle­ge und Medi­zin den Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress besuchten. 

Neben dem Ple­num, in dem es um Qua­li­täts­ent­wick­lung am „Arbeits­platz Wun­de“ ging, beschäf­tig­ten sich zeit­gleich auch vier Satel­li­ten-Sym­po­si­en mit Spe­zi­al­the­men der Wund­ver­sor­gung wie der Schwei­ge­pflicht, der Throm­bo­se­pro­phy­la­xe, dem Daten­ma­nage­ment oder der Telemedizin.

Blick auf die Büh­ne des voll­be­setz­ten Sartory-Saals.

Zu letz­te­rem hat­te die Deut­sche Tele­kom als einer der Part­ner des IWC 2012 neben Fach­vor­trä­gen auch ers­te Umset­zungs­bei­spie­le aus der Pra­xis mit nach Köln gebracht. Dr. Dirk Hochle­nert vom Netz­werk Dia­be­ti­scher Fuß Köln und Umge­bung e.V. beleg­te anhand von Erfah­run­gen aus dem All­tag der Wund­be­hand­lung, wie tele­me­di­zi­ni­sche Struk­tu­ren die Abläu­fe bei der Begut­ach­tung, Ver­sor­gung und Kon­trol­le chro­ni­scher Wun­den ver­ein­fa­chen und beschleu­ni­gen kann.

Vie­le Vor­trä­ge, Bil­der und Vide­os des IWC 2012 sind in Kür­ze im Inter­net unter www.wundcongress.de zu fin­den. Im kom­men­den Jahr wird sich der Inter­dis­zi­pli­nä­re Wund­Con­gress unter ande­rem mit der Klas­si­fi­ka­ti­on des Deku­bi­tus, einer effek­ti­ven und effi­zi­en­ten Behand­lung chro­ni­scher Wun­den sowie den dazu gehö­ri­gen Stra­te­gien der Kos­ten­trä­ger beschäftigen.

Inter­dis­zi­pli­nä­rer Wund­Con­gress (IWC) zeigt aktu­el­les Exper­ten­wis­sen rund um die Wund­ver­sor­gung und wei­te­re Spezialthemen.

Neu­es­te wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se zu einer voll­wirk­sa­men Wund­rei­ni­gung ste­hen im Zen­trum des Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gres­ses, der am 22. Novem­ber 2012 in Köln statt­fin­den wird. Aner­kann­te Exper­ten unter­schied­li­cher Fach­rich­tun­gen stel­len die Grund­la­gen ziel­füh­ren­der The­ra­pie- und Ver­sor­gungs­an­sät­ze vor.

Dis­ku­tiert wer­den dabei auch die neu­en Mög­lich­kei­ten, die gera­de der Pfle­ge im Bereich der Wund­ver­sor­gung durch die Heil­kun­de­über­tra­gungs­richt­li­nie ent­stan­den sind. Recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen spie­len dabei eben­so eine Rol­le wie kon­kre­te Umset­zungs­mög­lich­kei­ten und Risi­ken im pfle­ge­ri­schen Alltag.

Mit PD. Dr. Alex­an­der Schwarz­kopf, Prof. Dr. Joa­chim Dis­se­mond, Wer­ner Sell­mer und ande­ren konn­ten erneut nam­haf­te Fach­leu­te für den gro­ßen Wund­kon­gress in den Köl­ner Sar­to­ry-Sälen gewon­nen wer­den. In vier ergän­zen­den Satel­li­ten­sym­po­si­en geht es zudem um wich­ti­ge Spe­zi­al­the­men wie eine siche­re Daten­über­mitt­lung zwi­schen den Akteu­ren von Wund­net­zen und ande­ren medi­zi­nisch-pfle­ge­ri­schen Netz­wer­ken, Wund­dia­gnos­tik oder auch Thromboseprophylaxe.

Das voll­stän­di­ge Pro­gramm des Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress 2012 sowie eine Anmel­de­mög­lich­keit sind im Inter­net unter www.wundcongress.de zu finden.

Auf dem Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress in Köln wur­de ges­tern die Exper­ten­grup­pe „Throm­bo­se­pro­phy­la­xe“ gegrün­det. Das Exper­ten­team um Prof. Chris­ti­an Waydhas, Lei­ter der Inten­siv­sta­ti­on am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Essen, will – ange­sichts der hohen Throm­bo­se-Inzi­denz (0,2% der Bevöl­ke­rung) und bis zu 40.000 Todes­fäl­len pro Jahr – mehr Klar­heit über eine effek­ti­ve Throm­bo­se­pro­phy­la­xe schaf­fen. Die Arbeits­grup­pe, zu der neben Ärz­ten und Wis­sen­schaft­lern auch Juris­ten und Gesund­heits­öko­no­men gehö­ren, wird z.B. die Risi­ko-Nut­zen-Abwä­gung der the­ra­peu­ti­schen Maß­nah­men näher dif­fe­ren­zie­ren und kla­re Emp­feh­lun­gen aussprechen.

Der der­zei­ti­ge Stand der Wis­sen­schaft las­se vie­le Fra­gen offen, die aktu­el­le S3-Leit­li­nie sei nicht auf alle Pati­en­ten anwend­bar, beton­te Prof. Waydhas, der die S3-Leit­li­nie mit­ent­wi­ckelt hat. „Bei etwa 20% der Pati­en­ten­lie­gen spe­zi­el­le Umstän­de vor, die in den Leit­li­ni­en­emp­feh­lun­gen nicht berück­sich­tigt sind und eine Anpas­sung an die indi­vi­du­el­len Gege­ben­hei­ten erfor­dern. Hier gibt es nicht den ein­zi­gen rich­ti­gen Weg.“ Aber auch bei allen ande­ren Pati­en­ten sei die medi­ka­men­tö­se The­ra­pie mit Blut­ver­dün­nern (Anti­ko­agu­la­ti­on) immer gegen ein indi­vi­du­el­les Blu­tungs­ri­si­ko abzu­wä­gen. Die aktu­el­le Dis­kus­si­on um Todes­fäl­le durch den Blut­ver­dün­ner Pra­d­axa, der auch zur Throm­bo­se­pro­phy­la­xe ein­ge­setzt wer­de, zei­ge, in wel­chem Span­nungs­feld Medi­zi­ner ent­schei­den müssten.

Wei­te­re Pro­ble­me sind, dass Throm­bo­sen oft­mals uner­kannt blei­ben oder Pati­en­ten nicht leit­li­ni­en­ge­recht behan­delt wer­den. Aus Kos­ten­grün­den haben zum Bei­spiel vie­le Kli­ni­ken Throm­bo­se­pro­phy­la­xe­strümp­fe kom­plett aus der post­ope­ra­ti­ven Behand­lung gestri­chen – obwohl die­se in der S3-Leit­li­nie aus­drück­lich nach bestimm­ten Ein­grif­fen wie etwa im Bauch- und Becken­be­reich oder nach gefäß­chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen emp­foh­len werden.

Leitlinienhaben rechtliche Relevanz, auch wenn es „nur“ Empfehlungen sind

Ob sich eine Kli­nik an die Leit­li­ni­en hält, kann unter Umstän­den recht­li­che Kon­se­quen­zen haben. Der auf medi­zi­ni­sches Haf­tungs­recht spe­zia­li­sier­te Rechts­an­walt Prof. Vol­ker Groß­kopf sieht einen kla­ren Rechts­ver­stoß, wenn ein Kli­ni­kum sei­nen Pati­en­ten Throm­bo­se­pro­phy­la­xe­strümp­fe gene­rell – etwa aus Kos­ten­grün­den – vor­ent­hält. Die S3-Leit­li­nie zur Throm­bo­se­pro­phy­la­xe sei zwar zunächst nur eine „Emp­feh­lung“, kön­ne aber im Fal­le einer Pati­en­ten­kla­ge ver­bind­li­chen Cha­rak­ter erlan­gen. Laut Groß­kopf muss die Kli­nik im Fal­le eines Fal­les nach­wei­sen, dass sie ihre Sorg­falts­pflicht gegen­über dem Pati­en­ten gewahrt und nach dem aktu­el­len Stand der pfle­ge­ri­schen und medi­zi­ni­schen Stand der Wis­sen­schaft und For­schung gehan­delt hat. 

„Wenn die Kli­nik bestimm­te Emp­feh­lun­gen der Leit­li­nie, die den aktu­el­len Stand der Wis­sen­schaft und For­schung reprä­sen­tiert, aus Prin­zip igno­riert, kann dies zu einer schuld­haf­ten Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung füh­ren.“ Ande­rer­seits gel­te auch die Vor­ga­be, maxi­mal wirt­schaft­lich zu han­deln, räum­te Groß­kopf ein. „Die Medi­zin steht auch und gera­de bei der Throm­bo­se­pro­phy­la­xe im Span­nungs­feld zwi­schen dem Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot und ihrer Sorg­falts­pflicht – ein Bogen, der nicht immer leicht zu schlie­ßen ist.“ Des­halb rät der Jurist, immer dann, wenn von den Behand­lungs­vor­ga­ben der S3-Leit­li­nie aus pati­en­ten­spe­zi­fi­schen Grün­den abge­wi­chen wird, dies ent­spre­chend zu begrün­den. Weil hier unter Ärz­ten und Kli­ni­ken noch viel Unsi­cher­heit exis­tiert, will die Exper­ten­grup­pe bes­ser über die recht­li­chen „Grau­zo­nen“ aufklären.

Bei einer Throm­bo­se bil­det sich ein Blut­ge­rinn­sel – ein soge­nann­ter Throm­bus – in einem Blut­ge­fäß (com­pu­ter­ge­ne­rier­te Darstellung).

1,6 Milliarden für die Behandlung des postthrombotischen Syndroms

Dar­über hin­aus will die Exper­ten­grup­pe auch auf die gesund­heits­öko­no­mi­sche Rele­vanz der „Volks­krank­heit“ Throm­bo­se auf­merk­sam machen. Rund 5% der Bevöl­ke­rung sind von einem post­throm­bo­ti­schen Syn­drom betrof­fen (dau­er­haf­ter Scha­den am tie­fen Venen­sys­tem nach einer Throm­bo­se). In der Regel sind die­se Men­schen zwei Mona­te im Jahr arbeits­un­fä­hig und wer­den acht Jah­re frü­her beren­tet, sechs bis acht Pro­zent ent­wi­ckeln ein offe­nes Bein (Ulcus cru­ris). Gesund­heits­öko­nom Prof. Wil­fried von Eiff rech­net vor, dass allein die Behand­lung der Pati­en­ten mit post­throm­bo­ti­schen Sym­ptom das Gesund­heits­sys­tem jedes Jahr 1,6 Mil­li­ar­den Euro kos­tet. „Die gesund­heits­öko­no­mi­schen Belas­tun­gen sind dra­ma­tisch und zei­gen, dass der Weg nur über eine effek­ti­ve­re Throm­bo­se­pro­phy­la­xe führt.“

Über die Thrombose

Bei einer Throm­bo­se han­delt es sich um den Ver­schluss eines Blut­ge­fä­ßes durch ein Blut­ge­rinn­sel, den so genann­ten Throm­bus. Am häu­figs­ten sind die tie­fen Bein- und Becken­ve­nen betrof­fen. Hier ist das Risi­ko groß, dass sich das Gerinn­sel los­löst und mit dem Blut­strom in die Lun­gen­ar­te­ri­en gelangt. Es kommt zur gefürch­te­ten Lun­gen­em­bo­lie, die auf­grund der plötz­li­chen Über­las­tung des Her­zens zu einem Herz­still­stand füh­ren kann. Rund 10% der Pati­en­ten verster­ben inner­halb der nächs­ten drei Mona­te nach einer Lun­gen­em­bo­lie, etwa 15% der töd­li­chen Lun­gen­em­bo­lien ereig­nen sich nach Operationen.

Exper­ten rufen auf dem Interdisziplinären Wund­Con­gress nach siche­rer Daten­la­ge und Nut­zen­be­wer­tung in der Wundversorgung

„Eine aner­kann­te Evi­denz­la­ge hin­sicht­lich des Nut­zens ein­zel­ner Wund­auf­la­gen wäre für alle Betei­lig­ten wünschenswert“ – mit die­ser deut­li­chen Auf­for­de­rung an die Wis­sen­schaft hat der renom­mier­te Wund­me­di­zi­ner Prof. Dr. Knut Kröger am Vor­mit­tag den 4. Interdisziplinären Wund­Con­gress (IWC) in Köln eröffnet. Mehr als 800 Wund­ma­na­ger, Pfle­gen­de und Ärzte beschäftigten sich dort heu­te mit einer evi­denz­ba­sier­ten Grund­la­ge für moder­nes Wundmanagement.

Prof. Dr. Knut Krö­ger auf dem IWC 2011.

Eine sol­che aner­kann­te und fun­dier­te Grund­la­ge für die Arbeit der Wund­ma­na­ger aus Pfle­ge und Medi­zin sei zwar wünschenswert, aber der­zeit weder vor­han­den noch zu errei­chen, beton­te Prof. Kröger in sei­nem Eröffnungsvortrag. Wegen der feh­len­den Grund­la­gen ändere dar­an auch die gut gemein­te Erar­bei­tung von Leit­li­ni­en nichts. Die Dis­kus­si­on und Aus­wer­tung der bis­her vor­lie­gen­den Stu­di­en zur Wir­kungs­wei­se ein­zel­ner Wund­auf­la­gen nann­te Prof. Kröger einen „Dis­put um Pseu­do­evi­denz“ und sprach sich statt­des­sen dafür aus, in die Aus­bil­dung und Erfah­rung der Wundex­per­ten zu vertrauen.

Das Mot­to des 4. Interdisziplinären WundCongreses.

IWC-Initia­tor Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf hat­te den diesjährigen Kon­gress unter den Titel „Quo vadis, Wund­ver­sor­gung“ gestellt und die nam­haf­ten Refe­ren­ten auf die Suche nach fun­dier­ten Grund­la­gen für die Arbeit der Wundex­per­ten geschickt. Neben einer S3-Leit­li­nie zur Lokalthe­ra­pie chro­ni­scher Wun­den wur­de in Köln auch der DNQP-Exper­ten­stan­dard „Pfle­ge von Men­schen mit chro­ni­schen Wun­den“ erläutert und dis­ku­tiert. Dabei berich­te­ten Prak­ti­ker wie die Wundex­per­tin der Kölner Uni­kli­nik Ellen Scha­per­do­th über Erkennt­nis­se und Emp­feh­lun­gen aus der Arbeit in bewährten interdisziplinären Wundnetzen.

Ellen Scha­per­do­th, Wundex­per­tin der Kölner Uniklinik. 

Die juris­ti­sche Per­spek­ti­ve des wie immer interdisziplinär aus­ge­rich­te­ten Kon­gres­ses nahm die Not­wen­dig­keit und die Grund­la­gen einer rechts­si­che­ren Wund­do­ku­men­ta­ti­on in den Blick, die neben fach­li­chen Aspek­ten auch daten­schutz­recht­li­che Pro­blem­fel­der beach­ten und lösen muss. Nicht zuletzt die abge­si­cher­te Übertragung der digi­ta­len Wund­ak­te sowie der Pati­en­ten­da­ten zwi­schen den ein­zel­nen Akteu­ren eines Wund­net­zes gehörte zu den zen­tra­len The­men der Gespräche am Ran­de des Kon­gres­ses, dem sich auch zahl­rei­che Unter­neh­men in der ange­schlos­se­nen Indus­trie­aus­stel­lung widmeten.

In meh­re­ren Satel­li­ten­kon­gres­sen beschäftigten sich Medi­zi­ner und Pfle­ge­ex­per­ten zudem mit neu­en Erkennt­nis­sen zu The­men wie Throm­bo­se, Dia­be­ti­scher Fuß oder Risi­ko­er­ken­nung bei der Behand­lung chro­ni­scher Wunden.

Der Interdisziplinäre Wund­con­gress 2012 wird sich am 22. Novem­ber kom­men­den Jah­res einer „Qualitätssteigerung durch Wis­sens­vor­sprung“ wid­men. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter: www.wundcongress.de